Weitere Bemerkungen zu den Arbeiten finden Sie auch im Forum.
Eigenwillig, originell, warum deshalb nicht "Kunst"? Wenn sich ein Schaf wie Dieter Bohlen als "Künstler" bezeichnet, ist Herr Liedtke ein Genie!
Die Modellbaukunst des Jürgen Liedtke wäre vielleicht keine Kunst, wenn man den Arbeiten nicht den Werdensprozess & die sorgfältige Wahl der Materialien ansehen würde.
Tut man aber.
wenn alles kunst sein soll, sollte man diese objekte nicht als kunst bezeichnen
um den objekten einen gefallen zu tun
um herrn liedke einen gefallen zu tun
aus prinzip (wegen des umfrageergebnisses)
ps: mir gefallen die dinger gut. herrn bohlen zum vergleich heranzuziehen ist gemein.
Die Modelle sind recht nett gemacht. Sein Handwerk versteht Herr Liedke. Aber das macht noch keine Kunst. Mir sind die Objekte nicht selbstständig genug. Speziell die Mühlen sehen sehr nach Kunsthandwerk aus (ich denke da an ähnliche - Verzeihung, Herr Liedke - Objekte in manchen Vorgärten.)
Die Arbeiten von Herrn Liedke sind in den Tat kleine Welten, Mikrokosmen, in ihrer Einzigartigkeit und Beschaffenheit Ausdruck innerer Zustände, dazu angetan, sich in sie zu versenken.
Es wäre interessant, die Reihenfolge der Arbeiten zu kennen, mir scheint da ein signifikanter Reifungsprozeß stattzufinden. Besonders der Zuwachs an Komplexität - weg vom einzelnen Gebäude, hin zur Struktur - und die Kontextierung durch Landschaft gehören zu den Qualitäten, die m.E. den Kunstcharakter der Arbeiten entwickeln helfen.
Dieser Mann gehört ausgestellt!
keine Kunst: Kitsch
Kunst ist... wenn sie ausgestellt wird!
Ist Kunst nicht Kunst, wenn der Künstler sich mit bestimmten Themen auseinandersetzt und versucht seine Ansichten mitzuteilen???
Ich glaube, dass dies keine KUNST sondern eher Modellbau ist, wobei Modellbau auch Kunst sein kann.
Weiß nicht, ob das Kunst ist – was ist überhaupt Kunst? Angesichts der überwältigend bescheidenen Anfrage geht’s mir wie einigen anderen Textern – einfach nur zu sagen „das ist keine Kunst“ ist so vermessen, wie die Behauptung einiger anerkannter (von wem?) Künstler, ihre Kunst sei Kunst.
Es stimmt, Kunst soll zum Denken aufgeben.
Es stimmt auch, dass kleine Welten, Universen geschaffen werden können / vielleicht sogar wurden, in denen man sich unter Umständen versenken kann.
Spontan muss ich sagen waren meine Reaktionen: Oh – oh nein – ach, du scheiße – oje – hm – was ist denn das für ein Material – keine Lust mehr..... – was haben denn die anderen geschrieben? – aha.......
Ja, und jetzt denke ich grade – wenn Kunst zum Denken aufgeben soll, wenn ich weiß (und da ich sehe), dass der Künstler sich mit diesen Dingen seit einiger Zeit intensiv beschäftigt und damit auch im gewissen Sinn seine Ernsthaftigkeit unterstreicht, mir damit vermittelt, DASS er sich mit diesen, seinen Welten auseinandersetzt....
Ich weiß nicht, ob die Objekte Kunst sind – denn s.o. ...
Ich denke aber, dass die Objekte im Zusammenhang mit der Frage "bin ich ein Künstler?" (unbeabsichtigt?) und dem daraus entstehenden Diskurs sehr wohl zu Kunst geworden sind, dass sie intensiv und nachhaltig (und motivierend) anregen zum Nachdenken über das Wesen von Kunst, über die Absichten von Künstlern, über die Möglichkeiten von Kunst.
Also: Ja, Herr Liedtke, die Anfrage miteingeschlossen halte ich Sie bedingungslos für einen Künstler. Ohne die Frage allerdings..... s.o.
Jürgen Liedtkes Kommentar zu den bisherigen Kommentaren im Forum
Ich denke eher nicht. Irgendwie erinnert mich das an Modellbau. Sicherlich hat es auch irgend etwas mit bildender Kunst zu tun, aber
mein allererster Gedanke war, dass besonders jemand mit einer elektrischen Eisenbahn solche Modelle gebracuhen könnte. ich habe aber
nicht darauf geachtet, ob die ausgestellten Stücke dafür zu gross wären.
hier meine meinung: die stillleben von besagtem liedke sind kunst!
aber wenn es rauskommt, dass du den ausstellst, dann hast du den eisenbahnverein hasewinkel am arsch. die wollen dann auch
fotos von ihrer eisenbahnlandschaft bei dir ausstellen. ueberlege es dir also.
wenn man allerdings ueber jedes der werke einen eimer rote schmierige zaehe farbe giessen wuerde, waere es auf jeden fall kunst!
Jedes ästhetische Werturteil ist bekanntlich subjektiv. Mein Anspruchsniveau ist hoch. Ein Künstler ist für mich eingebunden
in die Geschichte der Kunst zu sehen. Er entwickelt seine Konzepte. Das sehe ich hier nicht als gegeben an. Din Intention des Herrn Liedtke ist mir nicht klar genug
dargestellt; über asiatische Kunst und deren Hintergrund weiß ich nichts. Seine Kreativität entspringt negativen emotionalen Phasen, ist also kathartisch.
Ich denke, Künstler haben immer den Drang darzustellen. Hier werden kreativ und liebevoll Modelle gebaut und variiert. Mir fehlen Bezüge zu politischen, philosophischen oder psychologischen
Fragen sowie Innovation. Sollte der metaphorische Charakter der Modelle in einem Wunschdenken nach einer heilen Welt liegen?
Das Werk und die Bescheidenheit seines Erbauers scheinen auf den ersten Blick kompatibel. Auch arbeitet Herr Liedtke nach eigener Beschreibung aus dem Bauch heraus als eine Art Bewältigungsstrategie.
Er setzt der komplexen Umwelt eine Schlichtheit entgegen, die sich durchaus als Kunst verstehen ließe. Allerdings, und daran hängt es dann auch, die problematisierte Umwelt wird im Werk nicht
mitthematisiert, folglich gibt es für Liedtkes Werk auch keien Interpretationsspielraum. Sicher, das einfach rohe Material, das er verwendet, ist Wunsch und möglicherweise auch Ausdruck einer vorfindbaren
und in manchen Dingen wohl auch wünschenswerten Vereinfachung. Wenn jedoch ein solches Thema nicht auch inhaltlich umgestzt wird, gerät gewollte Einfachheit schon mal zur Einfältigkeit.
Der Blickwinkel wäre bereits ein anderer, wenn Herr Liedtke statt historischer und wie seine Mühlen auch etwas an Vorgärten erinnernder Bauwerke
sich an andere, moderner und zum Material im Widerspruch stehender Bauten gewagt hätte. Ein Baum aus kleinen Brettchen bspw. oder auch sehr provokant, das World Trade Center aus groben Steinen.
Ich stimme mit "ja", weil ich persönlich für die Frage "Kunst oder Nicht-Kunst" die Intentionen des "Autors"/"Künstlers" für das entscheidende Kriterium halte. Das ist eine kunsttheoretische Position, die ich im Rahmen dieses kleinen Kommentars nicht hinreichend begründen kann.
Der Kern dieser Position ist die These, dass ein Gegenstand genau dann Kunst ist, wenn er von einem Autor als Mittel zur Kommunikation eines ästhetischen Erlebnisses intendiert ist.
Die veröffentlichten E-mails sprechen meines Erachtens dafür, dass die Objekte Herrn Liedtkes diese Bedingung erfüllen, obwohl ein Rest an Zweifel bleibt (sofern Herr Liedtke überhaupt ein tatsächlich existierender Mensch ist, und nicht bloß eine fiktive Figur eines gewitzten Kunsttheoretikers, der die Besucher dieser Website dazu bringen möchte, über den Kunstbegriff nachzudenken).
Ich betone aber, dass das Urteil, dass die Objekte Herrn Liedtkes Kunstwerke sind, keineswegs impliziert, dass sie GUTE Kunstwerke sind. Der von mir hier zugrunde gelegte Kunstbegriff schließt schlechte Kunst ein und taugt vermutlich auch nicht zur Abgrenzung von Kunst und Kitsch.
Über die QUALITÄT der gezeigten Arbeiten will ich kein Urteil abgeben. (Danach wurde ja auch nicht gefragt.)
Ich halte übrigens gar nichts davon, die Frage, ob etwas Kunst oder nicht Kunst ist, durch eine Abstimmung zu entscheiden. Das Ergebnis gibt allenfalls Aufschluss über das Kunstverständnis der Befragten, keinesfalls aber über den tatsächlichen Status der gezeigten Objekte.
Erst recht halte ich nichts davon, es vom Ergebnis der Abstimmung abhängig zu machen, ob die Objekte weiterhin ausgestellt werden oder nicht. Ich sehe keinen Grund dafür, aus einem etwaigen negativen Ergebnis die Konsequenz zu ziehen, dass die Objekte nicht mehr gezeigt werden sollen.
Dennoch finde ich das Abstimmungsprojekt als solches sehr interessant.
Mich beschäftigt übrigens noch eine Frage: Angenommen, Herr Liedtke ist eine Fiktion; wäre das ganze Projekt dieser Ausstellung, mitsamt den veröffentlichten Mails , der Abstimmung etc. dann ein Kunstwerk?
Ja klar - was soll ich (als Vertreter eines weiten, sprich: dem heutigen Konsens unserer Sprachgemeinschaft verpflichteten Kunstbegriffs) denn sonst sagen?
Ich hatte mir übrigens die web-site neulich gleich angesehen, mich dann aber
doch nicht an der Umfrage beteiligt, weil -- zugegeben: mich die Frage so an
Fragen von Lehrern etc. erinnerte, bei denen man schon ganz genau wußte, was
man sagen mußte. Mit welchen Argumenten sollte man es in bezug auf Liedtkes
Arbeiten bestreiten? Ich wüßte keine.
Ich bin ja nicht gerade Anhänger des Neo-Essentialismus in der Ästhetik und würde
es eher mit Dickie halten: Wenn etwas im Rahmen der (freilich schwer
abgrenzbaren Quasi-Institution) Kunstwelt zum Kandidaten für
Wertschätzung gemacht wird, ist es offenbar Kunst. Das trifft auf die
Diskussion in diesem Forum ziemlich genau zu - voilà! Ob man die
fraglichen Gegenstände dann aktuell schätzt, ist eine andere Frage (auf
die es in den Kommentaren eine Menge fader Antworten zu geben scheint).
Aber die meiste Kunst ist schlechte Kunst. Allerdings imponieren mir die
abgebildeten Werke nicht auf Anhieb als besonders schlecht. Wenn nun ein
Gallerist diese Werke nicht in seiner Gallerie haben möchte, stehen ihm
bequemere Begründungen zur Verfügung, als den Kunstcharakter der Werke
zu bestreiten (z.B: "Ich glaube nicht, dass meine Kunden sich dafür
interessieren werden.").Was andererseits der Werkurheber von Beruf ist,
wird er doch wohl ganz gut selbst entscheiden können.
Nebenbei: Die unbestreitbare Nähe zum Modellbau mag den geneigten Kopf
ja zu allerhand Gedanken über Nachahmung und Ähnlichkeit, Kunst und
Spiel, Schlichtheit und Verfremdung und ich weiß nicht wozu noch
anregen. Solche Indizien sind vielleicht die Ursache, warum diese Werke
zum Kandidaten für die Wertschätzung geworden sind.
Christian Morgenstern hat mal gesagt:
"Man sieht oft etwas hundertmal, tausendmal, ehe man es zum allererstenmal wirklich sieht."
Pauschal zu sagen, das IST Kunst oder KEINE Kunst gelingt mir nicht.
Oder gar zu behaupten, das ist "SCHLECHTE KUNST" halte ich für unmöglich,
ein Widerspruch in sich (ich kenne jedoch EINIGE, leider, die sich selbst
Künstler nennen und andre als "schlechte Künstler" abtun, oder sagen "das
ist schlechte Kunst").
Angesichts des oft rauen Tons unter Künstlern, Konkurrenzgehabe und einer auffälligen
Arroganz, hat das Zaghafte und Bescheidene von Liedtkes Art bei mir spontan
Sympathie geweckt. Dass mir seine Arbeiten nicht gefallen, tut nichts zur
Sache! Mir gefallen z.B. die Bildhauerarbeiten von Antes auch nicht und der
ist (oder war) schließlich sehr erfolgreich und anerkannt.
Liedtke bildet naturalistisch ab, er hält sich an etwas, was er schon gesehen hat. Zugleich bildet er etwas ab, was er, wie er sagt, in sich spürt, aus dem Bauch. Wo ist die Grenze zwischen Modellbau und seiner "Inneren Welt"? Wer kann das sagen?
Sind demnach in der Konsequenz alle Maler und Bildhauer, die realistisch arbeiten nur AB-BILDER des Vorhandenen? Machen sie nur Kopien der Natur? Muss Kunst immer spektakulär sein, groß, laut und bunt? Kann sie nicht auch ganz still sein, bescheiden bis gar
demütig? Unerklärt und unverstanden?
Ist alles andre nicht bloß eine Frage unseres "persönlichen Geschmacks"?
Ein Modellbauer arbeitet ZIELORIENTIERT an seinen Modellen, um sie dann zur
Eisenbahn o.ä. zu postieren. Liedtke sagt, dass er das nicht tut. Dass ihn vielmehr die Form an sich interessiert. Ich denke, schon allein durch diesen Ansatz ist er kein Hobbybastler oder Modellbauer. Es steckt vielmehr dahinter und darunter verborgen.
Als ich mich an der Kunstakademie bewarb, warf man mir eine ganze Reihe Pauschalitäten an den Kopf, und mit einer Figurengruppe, die ich vorstellte und den "König Lügenbold" nannte, rief ich vollkommenes Unverständnis hervor. "Was haben Sie denn da gebastelt?!" Ich hatte keine Lust mich zu erklären, und gab zur Antwort (auf eine im Grunde rhetorische Frage): "Das was Sie darin sehen."
Wer erinnert sich noch an die Diskussionen als die ersten READY-MADES und MULTIPLES auftauchten? Als ein Sanitärartikel zur Kunst erklärt wurde? Oder die Aufregung um die Installationen von Joseph Beuys? Das Unverständnis, das Kopfschütteln?
Ich werde nie vergessen, welch eine Empörung zu hören war von denen, die sich strikt weigerten, über einen "Fettstuhl" nachzudenken. Und dumme Sprüche wie "Das kann ich auch! Fett aufn Stuhl schmieren!" Aber was soll’s: Wer keine Lust hat, sich auf etwas einzulassen, und sich zeit zum Nachdenken nimmt, kann es schließlich bleiben lassen.
Die Kunst sollte so vielfältig sein und bleiben wie die Menschen, Rätsel aufgeben. Wenn man stutzt! Wenn eine Arbeit eine noch so kleine Änderung in unsrer gewohnten Sichtweise hervorruft und man den Kopf unwillkürlich ein wenig zur Seite neigt...
In einem der Beiträge der Diskussion um Liedtke steht: "Seine Kreativität entspringt negativen emotionalen Phasen, ist also kathartisch." Da musste ich lächeln, denn somit sind bestimmt 50% aller Kreativen kathartisch (wenn nicht gar mehr!). Den knappen Ausruf eines andren Beitrags "Kitsch" fand ich auch lustig. Was hätte Jeff Koons DAZU gesagt?
Und noch ein Gedanke:
Was, wenn es Liedtke als solchen gar nicht geben sollte, wenn dieser Mensch ein Phantom wäre, einer der ein Experiment macht (...wer weiß?).
Was wäre ES dann? Was?
KEINE Kunst oder ERST RECHT?
Ich selbst arbeite seit vielen Jahren unter fünf verschiedenen Namen (meinen "echten" eingeschlossen) und habe verschiedene Gesichter und Geschlechter, darunter auch ein Neutrum. Damit will ich niemanden verarschen (oder mich verstecken), sondern betrachte es als Teil des ganzen was möglich ist... und es ist mehr möglich als manche ahnen!
Auf jeden Fall hat Liedtke Mut gezeigt, und ich finde es sehr gut, dass er seine Arbeiten zeigt. Die von Piecha angeregte Diskussion lebe hoch und es mögen hoffentlich noch viele folgen.
Hauptsache wir verlieren vor lauter Wortgefechten nicht den SPASS!
Frohes Fest allerseits :-)
Noch eine Anmerkung zu meinem Kommentar von eben:
Den Mut, den ich meinte beziehe ich vor allem auf den teilweise sehr derben Umgangston. Sich DEM „auszusetzen“, quasi als Objekt, DAS halte ich für mutig!
Liedtke beschreibt in dem Mailkontakt mit A.Piecha den Auslöser und den Werdegang seiner Arbeiten. Obgleich er sich selbst immer wieder in Frage stellt, zeigt er einen Teil seiner Persönlichkeit und Arbeiten der unberechenbaren Internet-Welt.
So...?
U BETTER THINK TWICE..!
die arbeiten gehoeren der gattung der architektonischen skulptur an. es sind
keine architekturmodelle von einem architekten, der einen bauherren von
seinem entwurf für ein gebaeude ueberzeugen möchte. keine gemeinde würde
sich z.b. liedtkes leuchturm so bauen lassen, wie er dargestellt wurde. er
wirkt eher wie aus der zeit von fred feuerstein. dieser unterschied ist
phänomenal wichtig. er markiert den unterschied zwischen kunst und
wirklichkeit. die architektonische skulptur kann in der wahl der
materialien eine prägnante verbindung zu wirklichkeit herstellen (mauern
sind tatsächlich aus stein). einerseits zeigen die arbeiten eine fülle
vertrauter bestandteile, die aus dem alltagsleben entnommen sind,
andererseits ziehen sie eine befremdung und verunsicherung nach sich . man
hat das gefühl, dass da irgendetwas nicht stimmt. sich auf die suche danach
zu machen ist eigentlich der zweck eines kunstwerks. anhaltspunkte einer
übereinstimmung mit realer architektur werden entdeckt aber durch andere
details wieder verworfen. realitätsangleichung ist ein kuenstlerisches
mittel und insofern sind die arbeiten liedtkes kunstwerke.
zur allgemeinen frage ob etwas kunst ist.
um diese frage beantworten zu können braucht es doch einige intellektuelle
werkzeuge, die nicht mit geschmacksurteilen zu verwechseln sind.
als der "david" von michelangelo in florenz aufgestellt wurde, musste er tag
und nacht bewacht werden, weil das volk ihn aufgrund seiner nacktheit mit
steinen bewarf.
aus diesem grund ist auch ein mehrheitendiktat ob etwas kunst sei oder
nicht, gekoppelt mit ausstellungsabbruch, problematisch.
Ich würde gerne dem Gedanken nachgehen, ob es sich bei Kunst
nicht um eine Sichtweise handeln kann, und zwar der Ästhetischen. Das würde
den Kunstbegriff von der Objektabhängigkeit auf den Subjekt lenken, der ein
beliebiges etwas in einer Form betrachten kann, die dieses etwas in den
Status der Kunst erhebt. Waren wir lange Zeit Konventionen ausgesetzt, die
uns angaben, was wir in genannter Weise zu betrachten hätten, scheint nun
seit langen die Tendenz eher dahin zu gehen, dass man zu entscheiden sucht,
was man als Kunst bereit sei anzunehmen, ohne jedoch, soweit ich es
beobachten konnte,bereit zu sein, auf den Anspruch der Allgemeingültigkeit
seines Urtheils zu verzichten. Ich wollte nicht nur auf die
Allgemeingültigkeit dieses meines Urtheils verzichten, sondern gleich auf
die Gültigkeit über die Zeit der Erzeugung dieses Urtheils hinweg. Das
heisst, ich kann heute in diesen Objekten Kunstwerke sehen, indem sie mir
erlauben (methaphorisch gesprochen) sie in ästhetischer Weise zu betrachten
(zugegeben, es wär eine eigene Abhandlung nötig um zu sagen was dies
letztere sei), und morgen sie in meinen Garten stellen, als miniaturen von
Welten, die lediglich zu einem pracktischen Gedankenspiel verleiten, wie es
wäre, in ihnen zu wandeln (wie in einer Modelleisanbahnlandschaft) (dann
schulde ich Antwort, warum diese Art der Betrachtung keine Ästhetische ist).
Es Wurde das Wort "Kitsch" in einigen Kommentaren erwähnt. Was genau vermag
an den Modellen "Kitsch" sein? Sie als solches hinzustellen wär zu einfach.
Ist das Material kitschig? Wenn es dies wäre, welche Rolle spielt das noch,
wenn es zu etwas anderem Verarbeitet wird, das über die ursprüngliche Form
dessen, was der Kitsch war hinausgeht? Meint man mit Kitsch die
Erschaffungsweise? Dann würde ich gern wissen, ob man von "Kitschigen
Gedanken" auch reden könnte. (Manch einer würde fragen "warum nicht".
Vielleicht wenn Gedanken nur die Gedanken anderer wiederspiegeln? Doch
solch eine Beurtheilung kann man sich nicht einmal an den eigenen Gedanken
erlauben, geschweige dann an den anderer, angesichts des Mangels an
Erfassungsvermögen unseres Bewusstseins, in anbetracht der Komplexität von
Gedanken.)In Suma, bleibt die Frage, kann nicht aus Kitsch Kunst entstehen?
Was würde uns daran hindern dies anzunehmen?
Ich hoffe, man verzeihe mir, dass ich meinen unreifen Gedanken an dieser
Stelle so ausführlich Ausdruck gebe.
Ob die ausgestellten Objekte Kunst sind oder nicht wäre also nach einer
mögichen Ansicht nicht an die Objekte an sich gebunden, sondern an dem, was
wir bereit sind in ihnen anzunehmen, und das unsere Betrachtungsweise ihrer
bestimmt.
kunst ? die grosse frage...kunsthandwerk, ja. ist es kunst wenn jemand
mit einer kamera gut umgehen kann ? es gibt leute die haben das bewiesen
! an der kunst ist das schöne das es freiräume lasst. jedem das seine,
die objekte von Jürgen kicken mich allerdings nicht an. (subjektiv)
Ich würde die Objekte eher als Kunsthandwerk bezeichnen. Sie stellen quasi Prototypen realer Objektklassen dar, allerdings in einem verkleinerten Maßstab. Die Objekte sagen aber nichts über persönliche Erfahrungen mit der Welt, noch lassen sie irgendeinen Interpretationsspielraum zu. Der Betrachter bekommt keine Einblicke in die Realität, die ihm im alltäglichen Lebensvollzug nicht möglich sind. Liedtkes Objekte haben eher den Charakter von Modellen. Kunstwerke müssen über das konkret Veranschaulichte hinaus geistige Bezüge haben. Man könnte sich beispielsweise auf reale Objekte oder Objektklassen beziehen und diese so darstellen, dass es zu etwas wie Ironie oder moralischer Belehrung kommt. Dieses ist beispielsweise durch den verwendeten Kontext, die Verbindung mit anderen Objekten usw. möglich. Dann werden Erfahrungen und Vorstellungen möglich, die von der Alltagserfahrung nicht geboten werden. "Dorfidylle" ist das einzige mir von Liedtke zu Augen gekommene Werk, welches zumindest einen geringen Interpretationsspielraum läßt. Außerdem meine ich, dass Kunstwerke zumindest von ihrem Schöpfer von vornerein als solche definiert sein sollten. Kunstwerke sind Folge der Absicht etwas mitzuteilen. Auch wenn Liedtke eher Kunsthandwerk als Kunst betreibt, erscheinen mir die Werke durchaus wertvoll, da sie ein großes handwerkliches können erkennen lassen.
Eine schwere Entscheidung.
Für mich zählen die Objekte wohl eher zum Kunsthandwerk, sind sie doch Skulpturen,
die ohne eine bestimmte künstlerische Intention entstanden sind und besondere handwerkliche Fertigkeiten erfordern.
Aber gleichzeitig möchte ich mir nicht anmaßen, diesen Objekten den Kunststatus abzusprechen. Wenn sie für den
Autor der Kategorie "Kunst" angehören sollen, wenn es sein Anliegen ist, sich über sie einem möglichen
Betrachter verständlich zu machen, mit ihm zu kommunizieren, dann möge er sie gerne als Kunstwerke bezeichnen.
Wie sagt Louise Bourgeois: "Die einzige Verantwortung (des Künstlers) liegt darin, vollkommen wahrhaft zu seinem
Selbst zu sein."
Ist Jürgen Liedtke ein Künstler?
Einige sind der Ansicht, dass er es ist. Kunst umfasse seit vielen, vielen Jahren doch schon ein so weites Feld, dass man im eigentlichen Sinn nicht in der Lage ist, eine erschöpfende Definition von Kunst zu geben. Und selbst wenn man eine geben könnte, wäre immer noch genügend Platz für ihn. Eine Argumentation, die sich um die eigentliche Beantwortung der Frage drückt, die auf ein "Warum Kunst?" ein "Warum nicht Kunst?" zurückgibt. Im Diskurs vielleicht kein schlechtes Verfahren, als Methode einer Analyse aber unzureichend.
Andere wiederum sind der Ansicht, Jürgen Liedtke sei kein Künstler. Sie sehen keinen Bezug auf andere Künstler, Kunstepochen oder die Kunstwelt als solche, und tatsächlich gibt es diesen ja auch nicht. Sie fühlen sich in ihrem Verständnis von Kunst als einer ständigen Weiterentwicklung nicht bestätigt, und selbst wenn sie zugeben, diesen Aspekt könne man ausklammern, verweisen sie darauf, dass Jürgen Liedtke selbst keine künstlerische Intention gehabt hat, sondern lediglich Bastelarbeiten angestellt hätte.
Sicherlich hat jeder Mensch ein eigenes Verständnis von dem, was Kunst ist. Ich habe meine, und ich werde in diesem Rahmen weder anderen ihr Verständnis absprechen oder es in einer langwierigen Analyse argumentativ zu entkräften versuchen.
Herr Liedtke stellte die Frage selber, und er stellte sie der Öffentlichkeit, genauso wie es sein erklärtes Ziel ist, seine Werke der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Mag man ihm nun unterstellen, dass damit noch keine wahre Intention klar herausgearbeitet werden könnte, es heißt dennoch, dass seine Kunst, sein Schaffen, eine soziale Komponente hat. Das ist für das Kunstverständnis vieler Leute, und auch einiger, die sich zu Liedtke geäußert haben, eine notwendige formelle Bedingung für Kunst. Und zumindest läßt es die Möglichkeiten der weitergehenden Interpretation offen. Liedtke mag nur das Alter Ego eines berüchtigten Performance-Künstlers sein, der auszog, um der Öffentlichkeit mit ihren banalen Definitionen von Kunst das Fürchten zu lehren, vielleicht aber auch nicht. Sicherlich laden Liedtkes Kunstwerke als solche nicht zu solchen Überlegungen ein, aber seine Frage und die daraus resultierenden Antworten sind dazu in der Lage, und da diese Elemente: Frage und Antwort zum Verständnis von Liedtkes Arbeiten als Kunst oder Nichtkunst gehören (wäre die Frage nie gestellt worden, hätten manche nie versucht eine Antwort zu finden, unabhängig davon, ob sie die Werke von Liedtke je gesehen hatten oder nicht), da sie eben zumindest jetzt ihr immanent sind, ist auch zumindest ein weiterer wichtiger Aspekt für das Verständnis von Kunst vieler Leute herausgearbeitet, nämlich der der Anregung des Geistes, so banal sie manchmal auch daherkommt, bzw. sich von hinten einschleicht.
Ganz gewiß haben Liedtkes Arbeiten auch einen Stil, den so sehr er auch behauptet, nicht auf andere Künstler oder Kunstepochen zu rekurieren, so sind seine Arbeiten doch zumindest Nachbildungen von verschiedenen Bauten aus verschiedenen Epochen verschiedener Länder, und diese sind Ausdruck eines spezifischen Stils. Liedtke bezieht sich also mit seiner Arbeit auf einen schon vorhandenen Stil und schafft damit einen neuen Stil. Dieser mag sich nicht sehr von dem unterscheiden, was er nachahmt. Allerdings kann man auf diesen Einwand antworten, die verschiedenen Shinto-Schreine der damaligen Epoche hätten sich auch nicht sonderlich unterschieden, jedenfalls nicht von Baumeister zu Baumeister in einem stärkeren Grad als von Baumeister zu Liedtke.
Diese drei Aspekte (soziale Komponente, Anregung des Geistes, Stil) sollten fürs erste genügen, um zumindest die Antworten derjenigen teilweise zu entkräften, die behaupteten, Liedtke sein kein Künstler. Sie mögen auch jetzt, wenn man ihnen all dies sagen würde, nicht annehmen, er sei einer. Doch die Frage bleibt dann, wie sehr dies Sache einer Wertung ist, die nichts mehr mit dem von dem Verifizieren von Kunst oder Nichtkunst zu tun hat, sondern mit anderen Kategorien, wie z.B. Nützlichkeit, handwerkliche Präzision etc.
Meinem Verständnis nach ist Herr Liedtke ein Künstler, obwohl zu meinem Verständnis von Kunst nicht viel gehört, und es ihm damit nicht unbedingt zu Ehren gereicht. Ich halte alle menschlichen Tätigkeiten für Kunst, die nicht direkt Ausdruck eines Fortpflanzungs- oder Erhaltungstriebes sind, also eine Vielzahl von Ausdrücken eines sehr individuellen Seins, das sich nicht nach elitären Maßstäben objektiv hierarchisieren ließe, weil sie eben sehr subjektiv sind.
spontaner, subjektiver unreflektierter Eindruck: Kitsch.
Sofort fällt mir eine Art Bruit Ausstellung in Bochum ein, die mich gefangen nahm. Viele skurille Bastelarbeiten - von den "Bastlern" nicht als Kunst eingeschätzt trotzdem aber von archaischer gewaltiger Kraft und vereinahmender Sogwirkung - bis in meine Träume hinein.
Hier aber nur Hobbybastelarbeit.
Nächster Gedanke: ich bin neidisch, dass Juergen so ein großes öffentliches Forum bekommmt und sich viele Menschen ernsthaft mit seinen Arbeiten
beschäftigen (ich "bastel" auch Skulpturen und keiner beschäftigt sich damit :))) )
Spreche ich deshalb seinen Arbeiten "Ernsthaftigkeit" etc. ab??
Mir fällt eine Malerin ein, die eine Serie "klassische Komponisten" runterpinselte. Ich bin sicher, dass sie nicht in der Lage ist, sich in die Werke und Personen hineinzuversetzen. Verkauft ihre Bilder aber trotzdem - mit der Illusion, das Käufer und Malerin als Bildungsbürger Teilhaben an der Größe der Komponisten.
Jürgen ist authentisch und aufrichtig. Weil er gar nicht diese Ansprüche erhebt.
Also überlege ich, was die Triebfeder für seine Arbeiten ist.
Türme, Bergspitzen, Mühlen, Flüsse in Tälern - und schon kommt mir der Küchen-Freud und berichtet über phallisches, verschüttetes, eingezäuntes, etc.
Was passiert? Ich beginne über Werk- Künstler - mich - zu grübeln.
Wenn dass nicht ein Sinn und Zweck von Kunst ist....?
Also abermals: für mich Kitsch! Aber in einen bestimmten Zusammenhang gebracht: Kunst!
Vielleicht war Jürgen Liedtke VOR der ersten Veröffentlichung seiner Arbeiten in dieser Galerie kein Künstler, und JETZT ist er einer? Immerhin stellt er seine Arbeiten hier in einer "Galerie" aus und Fragen zur Kunst hat er auch. Er begibt sich also mit eigenem Einsatz in einen Kunst-Diskurs, ist also Künstler und weiter geht’s. Jürgen Liedke sollte seine Objekte in einer "echten" Ausstellung zeigen. Einige Szenarien würde ich gerne im Raum betrachen: Wo kommen die Straßen her, die ich sehe? Was ist auf der anderen Seite der Berge? Sind es Plastiken oder Kulissen? …