von Miras Sasmaz
Ich saß in meiner Gefängniszelle und hatte das Gefühl, in ein schwarzes Loch gefallen zu sein. Es zerrte an mir und schien mich atomisieren zu wollen. Verzweifelt suchte ich einen Halt, an dem ich mich fest klammern konnte. Doch weder rechts noch links fand ich etwas in meiner Zelle, was mich aus diesen Tiefen unendlicher Stille hätte heraus holen können. Tage dauerte der Zustand meiner Erstarrtheit. Selbst rasiert hatte ich mich seit Wochen nicht, ich fühlte mich nur noch wie gelähmt. Ich wollte diese Stille durchbrechen, etwas schaffen, was mich überlebte.
Ich starrte in meinen kleinen Spiegel über dem Waschbecken. Aus Langeweile fing ich an, mich zu rasieren. Ich setzte den Einmalrasierer an und beobachtete ihn genau. Plötzlich schien er sich zu verformen. Es war so, als ob Bilder und Gestalten aus meinem Kopf heraus tanzten und sich im Rasierer anordneten. Ich fing an zu lachen.
Nachdem ich mich zu Ende rasiert hatte, setzte ich mich mit einigen Rasierern an den Tisch. Mit einem Feuerzeug brachte ich sie zum Schmelzen. Ich zerlegte sie, verbog und verformte sie und setzte sie neu zu Plastiken zusammen. Je mehr Rasierer ich zerschmelzen ließ, desto mehr Skulpturen entstanden. Sie halfen mir, wie auf einer Leiter aus der stillen, unendlichen Tiefe heraus zu klettern.
Der extreme Materialmangel lässt mich immer wieder Auswege finden, Neues zu erschaffen. Alles, was ich sehe, betrachte ich aus anderen Perspektiven. So verändert sich die Stille in mir zum Leben, das schwarze Loch in eine überschaubare Ebene.