Es ist nicht mehr auszuhalten:
Geboren 1969 ist die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch uns Menschen die Hintergrundfolie meines Lebens: Vom Bericht des Club of Romes über die Grenzen des Wachstums, das Waldsterben, das Ozonloch, die Klimakrise, das Artensterben, die Vermüllung der Welt durch Plastik, die Erosion unserer Ackerböden und vieles andere mehr. Die Ölkonzerne wussten die ganze Zeit, was sie taten, nahmen aber um der Profite willen, die Zerstörung unserer Biosphäre und der menschlichen Zivilisation in Kauf. Alles das ist inzwischen bekannt und belegt. Alle Klimawissenschaftler sind sich einig: Wir steuern in steigendem Tempo auf eine globale Katastrophe zu. Wo bleibt der globale Aufschrei? Wo die gemeinsame Anstrengung für die Rettung des Planeten?
Bald schon, noch zu unseren Lebzeiten oder spätestens denen unserer Kinder werden weite Teile der Erde unbewohnbar sein und drei Milliarden Klimaflüchtlinge, vornehmlich aus dem globalen Süden, werden sich auf den Weg machen. Und das, obwohl sie selbst am Wenigstens dafür können, weil es Industriestaaten, wie Deutschland waren, die das globale CO2-Budget überschritten haben. Und das alles geht immer weiter so, obwohl wir wissen, was wir tun können, um diese Menschheitskatastrophe abzuwenden und obwohl wir alle technischen Mittel haben, um das auch tatsächlich zu tun.
Dabei ist sogar genügend Geld vorhanden - es ist nur in den falschen Händen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf, immer mehr und immer reichere Superreiche haben immer mehr Einfluss, während der Rest in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.
Es mangelt uns offenbar an Umsetzungswillen, Fantasie und Utopien - aber warum?
Wesentlich verschuldet wurde das durch die Medien, die ihren Aufgaben als vierte Gewalt im Staat nur in Ausnahmefällen gerecht werden: Anstatt Politiker mit ihren eigenen Falschaussagen zu konfrontieren, Fake News zu korrigieren, die Probleme klar zu benennen, vor denen wir als Menschheit stehen, aber auch mal positive Nachrichten an prominenter Stelle zu platzieren und dabei auch mal unbequem zu sein, widmen sie sich dem reißerischen Wettgeschäft um Einschaltquoten und Klicks mit reißerischen Schlagzeilen, gemütlichem Gelaber und False Balance - ohne den Mut, sich notfalls mit den Reichen und Mächtigen dieser Gesellschaft, den Milliardären und den Karrieristen und Lobbyisten in der Politik anzulegen.
Und die Politik? Weitgehend unbehelligt von kritischen Medien marschiert sie munter rückwärts in vergangene Jahrtausend. Gibt ungeheure Summen für Aufrüstung aus, macht den überreichen Steuergeschenke, verzögert und verschleppt die Aufklärung von Steuerbetrug, gestaltet Gesetze allein im Interesse der wenigen lobbystarken Menschen in diesem Land, hetzt gegen Ausländer, queere Menschen, Bürgergeld-Empfänger - als ob die die Ursache unserer Probleme wären. Kindergrundsicherung? Klimageld? Erbschaftssteuer? Vermögenssteuer? Transaktionssteuer? Soziale Gerechtigkeit? Klimagerechtigkeit? Menschenrechte? Schutz der biologischen Lebensgrundlagen? Auf wissenschaftliche Erkenntnisse hören? Erschwinglicher Wohnraum? Rechte von Minderheiten? Inklusion? Alles Fehlanzeige! Es geht unter Schwarz-Rot rückwärts, nicht vorwärts:
Erneuerbare Energien und der Netzausbau werden, kaum endlich angelaufen, jetzt schon wieder abgewürgt - zugunsten einer fossilen Industrie, die mit Gas Profiten machen will. Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zählt dabei ebensowenig wie die energiepolitische Abhängigkeit von Despoten und Autokraten - als hätte es den russischen überfall auf die Ukraine und die Erpressungsversuche mit den Gaslieferungen durch Putin nie gegeben. Aber natürlich kann man an fossilen Energieträgern als großer Konzern viel leichter verdienen als an dezentralen Wind- und Solaranlagen und kleinen Batteriespeichern. Letztere eignen sich viel mehr für eine Demokratisierung unserer Energieversorgung - das muss darum um jeden Preis verhindert werden! Alte weiße Männer, zu denen selbst zu gehören, mich zutiefst beschämt, schützen ihre Pfründe, als hätten sie weder Kinder noch Enkel.
Und was tut die Mehrzahl der mündigen Wähler? Frustriert, von schrillen Dauerwarnungen ermüdet und voller Sorgen um die Erhaltung des eigenen kleinen Wohlstands oder womöglich schon bis zum Hals in Alltagssorgen steckend, hat sie nicht die Kapazität, sich selbst ein eigenes fundiertes Urteil zu bilden, sondern folgt der durch mächtigen Thinktanks gesteuerten Propagandamaschine, vervielfältigt durch soziale Medien, die von Milliardären gesteuert und auf monetären Erfolg und Machterhalt ausgerichtet, die Meldungen schon passend kanalisieren. Oder sie gehen gleich den rechten Rattenfängern auf den Leim. Auf jeden Fall wählt eine Mehrheit gegen ihre eigenen Interessen.
Dabei könnte unsere Welt wirklich anders aussehen - und sieht es eigentlich bereits schon. Hans Rosling in "Factfulness" weist anhand der offiziellen UNO-Statistiken nach, dass es über lange Jahrzehnte aufwärts ging. Rutger Bregman belegt fundiert in "Im Grunde gut", dass wir Menschen soziale Wesen sind, die sich für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen interessieren. Wir verfügen über ungeheure technische Möglichkeiten, über Wohlstand, hinreichend Geld und Wissen und Möglichkeiten der Vernetzung.
Wäre das nicht wundervoll, wenn wir in einer gerechten Welt lebten, in der der Erfolg nicht von der sozialen Herkunft abhängt, wo jede:r sich verwirklichen und ein glückliches Leben führen kann? Wo die Umwelt intakt, Luft und Wasser sauber, die Wälder gesund und die Städte grün sind? Wo es statt Millionen von Autos, die meist stehend die Städte verstopfen, der öffentliche Personennahverkehr verfügbar und kostenlos ist? Wo nicht einige wenige die Macht in Händen halten, sondern Teilhabe und Mitbestimmung die Grundfesten der Demokratie sind? Wo Kinder ohne Leistungsdruck sich in Freiheit entfalten dürfen? Wo die medizinische Versorgung, die Renten gesichert sind und ein gutes soziales Netz denen hilft, die unsere Solidarität brauchen? Wo alle Menschen ungeachtet von Geschlecht, Herkunft oder Aussehen dieselben Rechte haben? Wo es Bibliotheken, Kunst- und Musikschulen, Museen, Schwimmbäder und Sportvereine für alle gibt? Wann endlich schütteln wir das Joch der Verdummung, Propaganda und Bequemlichkeit ab und nutzen unser Potenzial, eine schöne Welt für alle zu schaffen?
Natascha Strobl sagte im Dissens-Podcast vom 4.6.2025:
"Menschen sind solidarisch, Menschen sind kooperativ. Das kann man auch gar nicht so leicht abtrainieren, aber es wird erfolgreich versucht. Wir haben einerseits den Neoliberalismus, der uns jede Form von Gemeinschaftsgefühl abtrainiert, und wir haben die extreme Rechte, die uns jede Form von Vertrauen in andere Menschen abtrainiert. Aber tief drinnen - und man sieht es bei jeder Katastrophe und bei jedem Unglück: Wenn man Menschen lässt, sind sie Sozialisten. Ich glaube, wir müssen schauen, dass wir dieses Menschsein wieder frei graben, schauen, dass wir Menschen davon weg bringen, dass sie zu Wracks, zu Ruinen verzogen werden von Faschisten und Neoliberalen. Aber wie schön wäre es, wenn wir einfach in einer menschlichen Zukunft leben würden - und eine menschliche Zukunft ist immer eine sozialistische."
Dr. Alexander Piecha im Juni 2025